Illustration is not a byproduct

Was mit Zeichen und Typografie vom Menschen ausgedrückt und interpretiert werden kann, ist gerade im letzten Jahrhundert gewaltig gewachsen und wächst mit Ikonen, Symbolen, Logos, Infografiken, Emojis und Memes, um nur einige zu nennen kontinuierlich weiter. Was als Identifikation mit Maske und Schmuck eines Tiers an der Person selbst begann (siehe https://absurdistan.ch/site/2021/02/lowenmensch-und-maske), hat sich in seinen Zeichen, der Antike (z.B. Alt-Ägyptisches Alphabet) über die Kennzeichnung von Familien und Stammbäumen, resp. Adelshäuser mit Wappen im Mittelalter bis heute fortgesetzt und weiter abstrahiert. Eine Schrift versuchte hervorzuheben, wie aus komplexen Daten reine Magie werden kann: Marie und Otto Neurath widmeten ihr Leben mit der Gründung des Isotype-Instituts im Jahr 1941 der Vision, Informationen rein visuell begreifbar zu machen.

Hinter dem Namen Isotype verbirgt sich ein internationales System der bildhaften Erziehung, das Otto in den 1920er-Jahren ins Leben rief. Nach seinem frühen Tod führte Marie dieses Erbe über drei Jahrzehnte lang fort und wurde zur Pionierin einer kindgerechten Wissensvermittlung, deren Einfluss bis heute spürbar ist.

Modiglianis Schüler

Die Sommergeschichte 1984 aus Italien geht so: Amedeo Modigliani vor 64 Jahren verstorben und der berühmteste Künstler der Lagunenstadt Livorno soll nach einer Legende 1909 vor seiner Rückreise in seine Wahlheimat Paris unvollendete Büsten von Frauenköpfen in den Stadtgraben Fosso Reale entsorgt haben. Offenbar waren die “Freunde des Künstlers” nicht begeistert über seine Werke.


In jenem Sommer 1984 wird eiligst eine Ausstellung über das skulpturale Schaffen des Künstlers im lokalen Museo Civico zusammengestellt, doch es kommen nur gerade vier Ausstellungsstücke zusammen. Die Betrauten für die Ausstellung Vera Durbé (Museo Villa Maria) und ihr Bruder erinnern sich an die Geschichte von den verlorenen Kunstwerken im Wassergraben vor ihrer Haustüre. Und so bestellt man Bagger und Bauarbeiter ein um den Fosso auszuheben und dem Gerücht auf den Grund zu gehen.

Wer ist nun glücklicher?

“Wer ist nun glücklicher? Die harmlosen, nackten Wilden, die in inniger Berührung mit der Natur leben, ohne sie meistern zu können, oder wir hochzivilisierten Menschen, die wir die Natur in unseren Bann geschlagen, aber an Naturnähe verloren haben?”

Fritz Kahn, 1933

Buch über Fritz Kahn, Infografik-Pionier und Gynäkologe, Köln 2017
http://www.fritz-kahn.com