Eine Wolke

Derzeit bis in den September dürfen wir im Bahnhof Olten, bei einer Durchfahrt oder Aufenthalt eine wunderschöne, ästhetische Wolke betrachten. Die Fotografin Rachel Bühlmann zeigt uns im ehemaligen Dienstraum (zwischen den Gleisen 4 und 7)1 eines ihrer Bilder der Wolke des AKW Gösgens im Sonnenuntergang – mycloud, 2021.

Die Künstlerin zeigt uns eine Landschaft zwar klassisch mit Nebelmeer und Alpenhintergrund und doch zeitgenössisch, in intensiven Farben und mit unnatürlicher Wolke. Fast scheint es so, als ob die Wolke an Atompilze und einer atomaren Farbpalette erinnern soll – ähnlich etwa der Bilder Kate Ballis2‘ oder an Filme wie ‘Koyaanisqatsi’ (1982)3 oder gar in Schwarz-Weiss an ‘Soy Cuba’ (1964), der auf Röntgenfilm aufgenommen wurde4.

Bühlmann beschäftigt sich seit Jahren mit dieser Wolke, die heute direkt vor ihrem Atelier liegt. Die schönsten Bilder hat sie auf der eigenen Webseite, als Postkarten und in unzähligen Ausstellungen gezeigt5. Es bleibt eine Frage an die Fotografin: Vermisst sie manchmal die Wolke, wenn diese bei einer Revision des AKWs für Monate ausbleibt?

  1. Webseite und Programm des Dienstraums am Bahnhof Olten, welcher zum Kunstmuseum Olten gehört: https://kunstmuseumolten.ch/programm/ausstellungen/rachel-buehlmann ↩︎
  2. Webseite der australischen Fotografin Kate Ballis: https://www.kateballis.com ↩︎
  3. Filmwebsite Koyaanisqatsi 1982: https://www.imdb.com/title/tt0085809/ ↩︎
  4. Mikhail Kalatozov (Filmemacher/Regisseur): Soy Cuba; Я — Куба; 1964  ↩︎
  5. Webseite “Die Wolke” der Fotografin Rachel Bühlmann: https://www.rachelbuehlmann.ch/fotografie/hier-dann-der-url ↩︎

Illustration is not a byproduct

Was mit Zeichen und Typografie vom Menschen ausgedrückt und interpretiert werden kann, ist gerade im letzten Jahrhundert gewaltig gewachsen und wächst mit Ikonen, Symbolen, Logos, Infografiken, Emojis und Memes, um nur einige zu nennen kontinuierlich weiter. Was als Identifikation mit Maske und Schmuck eines Tiers an der Person selbst begann (siehe https://absurdistan.ch/site/2021/02/lowenmensch-und-maske), hat sich in seinen Zeichen, der Antike (z.B. Alt-Ägyptisches Alphabet) über die Kennzeichnung von Familien und Stammbäumen, resp. Adelshäuser mit Wappen im Mittelalter bis heute fortgesetzt und weiter abstrahiert. Eine Schrift versuchte hervorzuheben, wie aus komplexen Daten reine Magie werden kann: Marie und Otto Neurath widmeten ihr Leben mit der Gründung des Isotype-Instituts im Jahr 1941 der Vision, Informationen rein visuell begreifbar zu machen.

Hinter dem Namen Isotype verbirgt sich ein internationales System der bildhaften Erziehung, das Otto in den 1920er-Jahren ins Leben rief. Nach seinem frühen Tod führte Marie dieses Erbe über drei Jahrzehnte lang fort und wurde zur Pionierin einer kindgerechten Wissensvermittlung, deren Einfluss bis heute spürbar ist.

„Ein Stoss mit der Hand hätte genügt“

Nächstes Jahr wird der Roman “Mein Name sei Gantenbein” von Max Frisch 60 Jahre alt.1 Eine unter einer vielzahl an Geschichten darin handelt von Gantenbein als Soldat in Graubünden und wie er einen Deutschen Zeitgenossen beim Wandern antrifft. Die Geschichte ist vergessen gegangen, im Internet ist fast nichts darüber zu finden. So wie das Max Frisch bereits vorher in Dienstbüchlein (1974) und Schweiz ohne Armee? (1989) kritisiert hat, wird die Rolle der Schweiz in der Geschichte zum Mythos gemacht und die wahren Umstände verschwiegen.2 Historiker Martin Bucher sagt zu SRF Investigativ: Symptomatisch sei auch, dass das Denkmal in Chur in Vergessenheit geraten sei: »Es passt zur Geschichte der Nazis in der Schweiz, die bisher nur punktuell aufgearbeitet wurde.«

Er spricht ein neuerlich aufgearbeitetes nationalsozialistisches Denkmal auf einem Churer Friedhof an, von welchem man erst wieder durch ein Buch und der SRF Radiosendung Zeitblende “Der Nazi-Stein” erfahren haben soll.3 Auch eine “Totenburg”, eine Art Gedenk-Kirche auf einem Hügel über Sankt Gallen war für gefallene deutsche Soldaten vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge geplant, wurde aber nie realisiert.

Foto aus der SRF Dokumentations-Seite: https://medien.srf.ch/o/adaptive-media/image/25150102/thumb-1680/5956749.jpg?t=1674813393579

Visualisierte Verhältnismässigkeit

Bei Gesprächen unter Bekannten kommen manchmal auch politische Themen auf, wobei die Meinungen diametral auseinander liegen können, aber alle Beteiligten nur glauben, die Fakten dargelegt zu haben. Man fragt sich dann, woran das liegt – so geschehen beim Thema zur Finanzierung der Mobilität in der Schweiz. Im konkreten Gespräch ging es um die Behauptung, dass der Öffentliche Verkehr fast gesamthaft “subventioniert” wird (resp. durch die öffentliche Hand/Steuerzahler finanziert wird), dem gegenüber der private Verkehr sich fast gänzlich selber finanzieren würde (insb. Mineralölsteuern/Strassenverkehrsfonds). So gesehen würden alle Nutzer des Privatverkehrs den Schienenverkehr querfinanzieren, da diese ja neben den allgemeinen Steuern keine Abgaben wie Mineralölsteuern entrichten. Dass dies nicht stimmt, war mir bereits vor Jahren bewusst. Doch der Blick in die visualisierten Zahlen vom Bundesamt für Statistik macht das Auffinden der Tatsachen seit Jahren schwierig bis unmöglich.