
Was mit Zeichen und Typografie vom Menschen ausgedrückt und interpretiert werden kann, ist gerade im letzten Jahrhundert gewaltig gewachsen und wächst mit Ikonen, Symbolen, Logos, Infografiken, Emojis und Memes, um nur einige zu nennen kontinuierlich weiter. Was als Identifikation mit Maske und Schmuck eines Tiers an der Person selbst begann (siehe https://absurdistan.ch/site/2021/02/lowenmensch-und-maske), hat sich in seinen Zeichen, der Antike (z.B. Alt-Ägyptisches Alphabet) über die Kennzeichnung von Familien und Stammbäumen, resp. Adelshäuser mit Wappen im Mittelalter bis heute fortgesetzt und weiter abstrahiert. Eine Schrift versuchte hervorzuheben, wie aus komplexen Daten reine Magie werden kann: Marie und Otto Neurath widmeten ihr Leben mit der Gründung des Isotype-Instituts im Jahr 1941 der Vision, Informationen rein visuell begreifbar zu machen.
Hinter dem Namen Isotype verbirgt sich ein internationales System der bildhaften Erziehung, das Otto in den 1920er-Jahren ins Leben rief. Nach seinem frühen Tod führte Marie dieses Erbe über drei Jahrzehnte lang fort und wurde zur Pionierin einer kindgerechten Wissensvermittlung, deren Einfluss bis heute spürbar ist.
Das Werk einer Visionärin
Zwischen den 1940er- und 70er-Jahren leitete Marie Neurath ein interdisziplinäres Team, um illustrierte Kinderbücher zu erschaffen. Dabei lag ihr Fokus besonders auf der Wissenschaft:
- Komplexität abbauen: Sie übersetzte die Wunder der Natur in klare Infografiken.
- Wissen zugänglich machen: Schwierige wissenschaftliche Zusammenhänge wurden zu verständlichen Diagrammen.
- Ästhetik und Bildung: Ihre Werke bewiesen, dass Information auch Kunst sein kann.
Die Ausstellung Marie Neurath: Picturing Science im House of Illustration gewährte einen Blick hinter die Kulissen – von den ersten Skizzen bis zum fertigen Buchcover – und hat eine eine Frau geehrt, die der Welt zeigte, wie man Wissenschaft mit den Augen verstehen kann.
Artikel über Marie und Otto Neuraths Isotype https://www.itsnicethat.com/features/marie-neurath-isotype-science-picture-books-illustration-190719
Abstract ““When things are equal all over the world the symbols can be the same”: Isotype in West Africa” by Eric Kindel: https://centaur.reading.ac.uk/105967/8/1004-Texto%20do%20Artigo-3499-1-10-20220624.pdf
Institut and learning: https://www.qbcentre.org.uk
Weiteres über Illustration, Abstraktion in Zeichen und die menschliche Ausdrucksfähigkeit mit Schrift und Bild:
- Adrian Frutiger: Der Mensch und seine Zeichen
- Tomi Ungerer (1931-2019): https://www.tomiungerer.com
Ungerer gab eine viel - Sir Quentin Blake: https://quentinblake.com/gallery
- In der Medizingeschichte gibt es zwei herausragende Illustratoren (neben Rembrandt’s Bild der Anatomievorlesung bei Dr. Tulp), welche die Lehre wesentlich veränderte:
- Henry Gray schuf mit seinem 1858 veröffentlichten Lehrbuch Gray’s Anatomy das fundamentale, bis heute kontinuierlich aktualisierte Standardwerk der systematischen Anatomie.
- Frank H. Netter, oft als „Michelangelo der Medizin“ bezeichnet, revolutionierte die Ausbildung durch seine farbgewaltigen, klinisch orientierten Illustrationen, die komplexe medizinische Sachverhalte mit höchster künstlerischer Präzision lebendig werden lassen.